2015-06-27

Alte Burschenherrlichkeit

Der forsche Aufruf, einer Mutter die Bundesjugendspiele abzuschaffen bzw. vielmehr in eine freiwillige Teilnahme umzumünzen, ruft wieder die üblichen, langweiligen Reaktionen hervor, u.a. tönt Achim Achilles in Spiegel-Online, man sollte solche Eltern abschaffen sowie das Folgende:

Zitat: "Einmal im Jahr hat der einzig durchtrainierte Pädagoge im Kollegium seinen großen Auftritt, in hautengen Klamotten. Stolz kann er dem leptosomen Physik-Kollegen seinen Latissimus zeigen und sonnt sich in den verstohlenen Schmachtblicken der Primanerinnen, denen die Jungs aus dem Bio-Kurs viel zu unreif sind". Zitatende

Wenn das etwa auch nur ansatzweise ernstgemeint sein sollte, hier etwas Aufklärung für ältere Herren wider der notorischen Selbstüberschätzung: Alte Sportlehrer in engen Klamotten waren so ziemlich das Letzte, was wir einst als Obenstufenschülerinnen für beschmachtenswert hielten - und aus unserem jugendlichen Blickwinkel heraus war wirklich alles, was älter als zwanzig war, richtig alt.

Offenbar hat der aufgebrachte Herr auch vergessen, dass im 21. Jahrhundert sogar schon "weibliche" Sportlehrerinnen existieren, deren Anliegen sicher nicht darin besteht, in "hautengen Klamotten" einen ähnlich seltsamen Eindruck bei irgendwelchen Primanern zu hinterlassen. Und den männlichen Sportlehrern so etwas in Bausch und Bogen anzudichten, ist im Gegensatz zu der wenigstens unterhaltsamen Forderung der o.g. Mutter nicht forsch, sondern lediglich dreist.

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2015-06-18

Europa verschanzt sich im 20. Jahrhundert

Heute hat die UN-Flüchtlingsorganisation die neuesten Zahlen zu den weltweiten Fluchtbewegungen veröffentlicht, demnach sich rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Gewalt befinden und damit alles in der Menschheitsgeschichte bisher Vorhandene in den Schatten stellen.
Die Kritik an der Unfähigkeit der internationalen Gemeinschaft, Lösungen zu finden, wächst nicht nur bei der UN.

Und wie sieht diese Unfähigkeit in der Praxis vor Ort aus?
Wie auch in zahllosen weiteren, insbesondere gutsituierten Wohngegenden wehrt sich u.a. aktuell in Lübeck das im Grünen residierende Wohnviertel "Bornkamp" seit Monaten vehement gegen eine Flüchtlings-Erstaufnahme für 600 Menschen. Man wolle lieber weniger Flüchtlinge und kleinteilige Einrichtungen über die ganze Stadt Lübeck verteilt haben, in der Platzmangel und Wohnungsknappheit im Übrigen genauso ausgeprägt sind, wie in vielen anderen Städten auch.

Nun knickt auch die städtische Politik ein, und ein äußerst seltener Zusammenschluss zwischen CDU, Grünen, Linke und Freien Wählern wollen keine Erstaufnahme mehr im Bornkamp, sondern ebenfalls mehrere, verteilte Erstaufnahmen. Der Zusammenschluss sagt den Steuerzahlern aber nicht, wer diese außerordentlich luxuriöse und damit teure Variante bezahlen soll und bringt außerdem den Zeitplan in Verzug: Weil niemand darauf warten kann, bis sich die Herrschaften endlich entschieden haben, bekommen Flüchtlinge in Lübeck demnächst womöglich wieder Turnhallenschlafplätze zugewiesen.

Gleichzeitig genehmigte der zaudernde Bauausschuss der Hansestadt indes nach jahrelangem Gerangel nun den Bau eines Bordells, der Bedarf sei vorhanden, gaben Ausschussmitglieder, unter anderem der Piratenpartei und der CDU der Presse bekannt. Eine denkbar merkwürdige Willkommenskultur in einer Stadt, die sich damit brüstet "weltoffen" zu sein und vor kurzem erst stolz in Großstadtmanier das Hansemuseum eröffnet hatte. Großstädtisch und "weltoffen" scheint die städtische Politik indes wohl eher für gewisse, zahlende Kunden zu sein, die dem 20. Jahrhundert entsprungen und ebendort immer noch fest verhaftet zu sein scheinen. Vor dem anhaltenden Flüchtlingsstrom verschließt der Bauausschuss in seinem provinziellem Klein-Klein dann lieber gleich beide Augen so fest, wie es nur irgendwie noch geht.

So passt es auch ins Bild, dass die Lokalzeitung Lübecker Nachrichten jüngst die Kommentarfunktion unter ihren Artikeln zur Entwicklung der Flüchtlingsaufnahme im Wohnviertel "Bornkamp" auf ihrer Facebook-Seite schließen musste, weil die Kommentaristen innerhalb kürzster Zeit jede Form der Diskussionskultur vermissen ließen. Und damit sind sie keineswegs allein, auch in Dänemark bestreiten inzwischen sämtliche Parteien den Wahlkampf zum großen Teil mit dem Thema Flüchtlinge oder vielmehr der Angst vor ihnen. Europa verschanzt sich im 20. Jahrhundert - und baut darum bis auf Weiteres lieber Bordelle als Flüchtlingsquartiere oder gar Wohnungen für die Neuankömmlinge. Jetzt muss man den Sinn solcher Bauvorhaben lediglich noch den 60 Millionen Flüchtlingen erklären, die gerade durch die Welt irren.

Links mit externen Beiträgen zum Thema:
HL-live
Bornkamp: Lübeck hat keine Lösung
Bausschuss für Bordell an Osterweide
Lübecker Nachrichten
Bauausschuss traut sich nicht: Kein Alternativstandort zum Bornkamp
Bordell in St.-Jürgen - Politiker geben grünes Licht

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2015-06-12

Der "Bundestrojaner" und die Bürger

Der infizierte Bundestag. Inzwischen wird vermutet, so u.a. die Tagesschau (s.u.), ein Trojaner sei durch den Link in einer E-Mail eingeschleust worden. Am besten an dem Bericht sind die Leserkommentare von Bürgern, die offenbar ausdrücklich nicht dazu neigen, auf jeden Link zu klicken:

meta.tagesschau.de:
IT-Angriff: Trojaner kam offenbar durch Link per E-Mail

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2015-06-04

Köstliche Musik im Juli

Allein "Musik In The Park" im Rahmen des Montreux Jazz Festivals dürfte für 15 Tage Vollbeschäftigung sorgen.

Music in the Park
(3. bis 18. Juli 2015)

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Die Exklusiität der Inklusion

Professor Butterwegge kämpft in einem weiteren Artikel für die Bügerversicherung und - das dürfte auch für Anhänger anderer Lösungen interessant sein - analysiert die Achse Inklusion und Exklusion.

Fachzeitschrift "Sozialpsychatrische Informationen", PDF, Quelle: christophbuttewegge.de
"Ohne Moos nix los?" - Inklusion nur für Reiche

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2015-06-03

Sommer, Sommer, Sommer

Hört, hört, der Sommer soll jetzt auch endlich im Norden einmarschieren. Der Mai war ein Herbst, aber jetzt geht es los, die schönste Zeit des Jahres beginnt! Damit steht auch der Juli fast schon vor der Tür - nicht mehr weit bis zur zweiten Jahreshälfte, mit einem Kalender zum Ausdrucken, Notieren und Knüllen:

Wirtschaftswetterkalender Juli bis Dezember 2015

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